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Warum Funktionskleidung besser als Baumwolle ist

Geschrieben von: Alex und aktualisiert am 19. Dezember 2018

Wer häufig Sport treibt, oder sich viel in der Natur bewegt, sei es beim Joggen, Wandern oder Skifahren, der kommt früher oder später mit Funktionskleidung und Funktionsmaterialien in Kontakt. Diese Begriffe sind seit einigen Jahren immer häufiger in der Sport- und Outdoorbranche anzutreffen. Doch was verbirgt sich genau hinter dieser Art der Kleidung?

Was ist Funktionskleidung?

Funktionstextilien sind alle Materialien, die besondere Eigenschaften in Bezug auf die Körpertemperaturregulierung bzw. das Komfortgefühl bei aktiver Bewegung haben. Das bedeutet, dass diese Bekleidung uns vor Witterungsbedingungen wie Regen und Kälte schützen kann und eine kontinuierliche Wasserdampfabgabe begünstigt.

Bei der Bewegung beginnt der Körper zu schwitzen und der Schweiß wird von der Kleidung aufgenommen. Ist die Kleidung komplett durchnässt und kann die Feuchtigkeit nicht mehr abtransportieren, fängt der Körper an auszukühlen. Das bedeutet Stress und entzieht dem Sportler Energie und somit einen Teil seiner Kräfte. Besonders deutlich ist das beim Wandern zu spüren, wenn man einen schweißtreibenden Aufstieg hinter sich hat und nun frierend auf dem windigen Gipfel steht.

Funktionskleidung

Um dies zu verhindern schwören viele (Berg-)Sportler auf Funktionskleidung. Dabei wird der Schweiß auf der Haut durch die Kleidung nicht so stark aufgenommen, sondern auf die Außenseite des Kleidungsstücks transportiert. Dort kann sie viel leichter verdampfen als auf der Kleidungsinnenseite. Dies führt zu einem sehr viel angenehmeren Tragegefühl, da sich die Bekleidung nicht mehr so nass anfühlt.

Dieser Vorgang wird als Atmungsaktivität bezeichnet und in Gramm (g) Wasserdampf pro Quadratmeter (m²) über 24 Stunden gemessen (g/m²/24h) (MVTR-Wert). Dabei gilt ein Material ab 10.000 g/m²/24h als sehr atmungsaktiv. Dieser Effekt wird zusätzlich durch die geringe Trocknungszeit der meisten Funktionsmaterialien begünstigt.

Funktionskleidung Sympatex

Funktionskleidung wird am sinnvollsten in Anwendung des Zwiebelprinzips verwendet. Dabei unterteilt man die Kleidung in 3 Schichten. Zuerst die Basisschicht, dann die Isolationsschicht und abschließend die äußere Wetterschutzschicht. Detaillierte Informationen zum Zwiebelprinzip findest Du in diesem separaten Artikel.

Vorteile/Nachteile von Funktionskleidung

Aufgrund der oben genannten Eigenschaften, ergeben sich folgende Vor- und Nachteile von Funktionskleidung:

Vorteile

Nachteile

 Schneller Abtransport des Schweiß  Bekleidung aus Merinowolle ist teuer
 Ermöglicht bessere Leistungsfähigkeit  Manche Materialien enthalten umweltschädliche Stoffe. Diese stellen ein Entsorgungsproblem dar und können langfristig ein Gesundheitsproblem darstellen, unter anderem bei Gore-Tex
 Schnelltrocknend
 Leicht
 Verringerter Schweißgeruch (Merino)
Teilweise Wasserdicht (Gore-Tex o.ä.)

Arten von Funktionskleidung

Von der Materialseite her, kann Funktionskleidung sehr grob in die Kategorien Chemiefaser und Naturfaser eingeteilt werden. Zu den chemischen Fasern zählen Textilien wie Polyester oder Polyamid. Daraus werden zum Beispiel häufig günstige T-Shirts hergestellt. Auch die Hardshelljacken mit ihren Gore-Tex oder Sympatex Membranen zählen zu den chemischen Funktionstextilien.

Auf der anderen Seite gibt es Funktionskleidung aus Naturfasern. Als bekanntester Vertreter ist da die Merinowolle zu nennen. Eine Einteilung in diese beiden Kategorien, macht für die Verwendung der Bekleidungsstücke aber selten Sinn. Einen praktischeren Nutzen hat eine Kategorisierung in die Art der Schichten, die in einem Bekleidungssystem vorkommen.

Am bekanntesten ist dabei sicherlich das dreiteilige Zwiebelprinzip.

Basisschicht

Für die untere Bekleidungsschicht, die Basisschicht*, werden häufig synthetische Materialien wie Polyester (PES) oder Polyamid (PA) verwendet. Deren Fasern nehmen nur wenig Feuchtigkeit auf, sondern transportieren diese durch das Textil hindurch. Die Bekleidungsstücke sitzen als erste Schicht am Körper und müssen eng anliegen, um den effektiven Feuchtigkeitstransport zu gewährleisten.

Herkömmliche Baumwolle gilt nicht als Funktionsmaterial, da sie sehr viel Wasser einspeichert und eine geringe Atmungsaktivität besitzt. Zudem neigt Baumwolle sehr stark zur Geruchsbildung, wenn sie über einen längeren Zeitraum mit Schweiß in Kontakt kommt. Für Baumwolle beim Wandern kann man sich generell merken: Sie ist schwer, stinkt schnell und kühlt den Körper aus wenn sie nass ist.

Merinowolle

Merinowolle hat im Vergleich zu herkömmlicher Wolle sehr viel feinere Fasern. Dadurch kratzt Merino fast kaum und ist auch sehr viel leichter. Sie ist besonders für ihre Geruchsneutralität bekannt, was auf mehrtägigen Wander- oder Skitouren von enormen Vorteil sein kann. Denn die Textilen müssen deutlich weniger gewaschen werden.

Zusätzlich ist sie wie die synthetischen Materialien schnelltrocknend, atmungsaktiv und wärmt selbst im nassen Zustand, womit sie sich perfekt als Basisschicht eignet. Merino Pullover können auch gut als Isolationsschicht genutzt werden. Hier findest Du den ausführlichen Geruchstest, dem ich meine Merino Unterwäsche beim Wandern und Skifahren unterzogen haben.

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Isolationsschicht

Für die Isolationsschicht kommt häufig Fleece* zu Einsatz. Es besteht ebenfalls aus Polyester-Fasern und isoliert den Körper gegen Kälte. Fleece trocknet auch relativ schnell im Vergleich zu Wolle und ist zudem leichter. Für die ganzen kalten Tage eignet sich eine Jacke mit einer Primaloft Füllung. Primaloft besteht aus einer synthetischen Endlosfaser, die sehr leicht im Verhältnis zu ihrer Isolationsleistung ist. Ihre wärmenden Eigenschaften behält sie sogar im nassen Zustand. Im Gegensatz zu einer Isolation aus Daunen.

Wetterschutzschicht

Funktionskleidung GoreTex
Gore-Tex Membran Eigenschaften – Quelle: GoreTex

Die Wetterschutzschicht besteht aus wasser- und winddichten Materialien. Am bekanntesten ist hier mit Sicherheit die Gore-Tex* Membran. Sie verhindert das Eindringen von Regenwasser und ermöglicht trotzdem den Abtransport von Schweiß nach außen. Diese Membran ist häufig zusätzlich von einer wasserabweisenden Außenhaut und einem weicheren Innenmaterial ummantelt.

Von Sympatex* gibt es ebenfalls vergleichbare Membranen, welche absolut wasserdicht, sowie winddicht sind. The North Face setzt für seine wasserdichten Jacken mit Hy-Vent* eine Technologie ein, die ähnliche Eigenschaften wie die vorherigen Membranen aufweist.

Bespiele für diese Jacken sind unter anderem die Berghaus VelumHaglöfs Gram Comp II Pull oder die günstige Haglöfs LIM III.

Lesetipp: Wenn eine Übersicht von leichten Harshelljacken zum Wandern oder Trekking suchst, kann ich Dir diesen Artikel empfehlen. Dort habe ich 7 Modelle genauer unter die Lupe genommen.

Anleitungen zur Pflege von Funktionskleidung:

 

Weiterführende Links: 

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Geschrieben von Alex

BergReif Author Alex

Gepackte Rucksäcke, lange Wanderungen und zackige Bergpanoramen bereiten Alex die größte Freude. Mit dem 550 km langen Traumpfad München Venedig startete 2014 seine Weitwander-Leidenschaft. Neben zahlreichen Touren in den Alpen, den deutschen Mittelgebirgen und auf den Balearen, stand 2017 seine längste Fernwanderung an. Mit seiner Freundin begab er sich auf eine 1900 km langen Alpendurchquerung von Wien bis nach Nizza. Über 4 Monate waren nur die beiden Rucksäcke ihr Zuhause. Mittlerweile ist er am liebsten in den Schweizer Alpen sowie dem Hochschwarzwald unterwegs und leitet die Ultraleicht Rucksack Manufaktur WeitLäufer.

2 Kommentare

  1. Aus welchem Grund ist die Bundeswehrkleidung aus Baumwolle? Ich habe etwas in den Shops geguckt und bin arg überrascht.

    1. Hi Merle,

      Bundeswehrkleidung ist sicherlich eher auf maximale Robustheit ausgelegt. Als Funktionskleidung ist sie daher nicht wirklich zu bezeichnen.

      LG Alex

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